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Forum: "Lesenlernen (auch) über Silben"
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| Lesenlernen (auch) über Silben | | von: heidehansi
erstellt: 28.07.2007 13:13:34 |
Lesenlernen ist für manche Kinder sehr, sehr schwer.
Da gibt es die einen, die zwei, drei Buchstaben können, sie zusammenhängen, sich einen vierten erfragen, einen fünften "irgendwie mitbekommen", alle jeweils gleich zusammenlesen - um die müsste sich die Lehrkraft eigentlich gar nicht kümmern; die können spätestens an Weihnachten lesen.
Aber dann gibts noch die anderen: Die können vielleicht alle Buchstaben einzeln benennen, aber daraus ein Wort zu lesen - unmöglich!
Da bleibt es beim H-u-t und es wird nie ein Hut daraus.
Für diese Kinder passt weder die Ganzheitsmethode noch das Lesenlernen über die Einzelbuchstaben.
Bei mir kam der Durchbruch so:
Ich hatte schon mehrmals vom Kieler Leseaufbau gehört und ließ mir deshalb die Unterlagen dazu schicken. Wie es der Zufall so will, konnten mein Förderlehrer und ich diese Methode umgehend an einem einzelnen Kind sogleich ausprobieren und hatten Erfolg!!!
Nun war aber an unserer Schule eine Fibel (Frohes Lernen) eingeführt. Die Parallelklasslehrerinnen wollten sich auch nicht aufs Kieler Programm umstellen. Was tun?
Ich hab einfach MEINE Methode entwickelt:
Die einfachen Lesebuchtexte gabs sozusagen jeweils zur Einführung des neuen Buchstabens. Dann aber folgte zumindest ein eingeschobenes Blatt, angelehnt an die Silbenteppiche des Kieler Programms:
Ein Beispiel: Neuer Buchstabe B, b
Ba Be Bi Bo Bu Bei Bau
ba be bi bo bu bei bau
Bla Ble Bli ...
bla ble bli ...
Bra Bre Bri ...
bra bre bri ...
Ab Ob Eb Ub Aub Ib Eib
ab ob ...
Darunter Wörter mit dem neuen Buchstaben, die Silbentrennung deutlich geschrieben:
Ba na ne Bla se auf bau en
Später, als die Lesebuchtexte umfangreicher und damit schwieriger wurden, gabs zuerst das Buchstabenblatt, auf dem wenn möglich, die Wörter des Lesetextes vorbereitet wurden. Und erst dann wurde der Buchtext gelesen.
Die Eltern hatte ich darauf vorbereitet, dass ich langsamer vorgehen werde, die anderen ersten Klassen also mehr Buchstaben gelernt haben würden als ich. Wobei ich nach ein paar Jahren auf die Leseerfolge meiner bisherigen Klassen verweisen konnte.
Die Kinder (und helfenden Eltern) hatten den Auftrag, diese Silbenteppiche horizontal, die Zeile von vorn, aber auch von hinten gelesen, aber auch vertikal, wieder von oben wie auch von unten, und schließlich auch durcheinander zu üben.
Und: Von jetzt an lernten ALLE meine Schüler das Lesen, die einen nach wie vor schneller, die anderen langsamer, aber an Ostern spätestens konnten sie es.
Es haben sogar die Kinder das Lesen gelernt, die irgendwann auf die Sonderschule wechseln mussten.
Ich erkläre es mir so:
Wenn ein Kind es nicht schafft, die Einzellaute zum Wort zu verschmelzen (B-a-n-a-n-e), kann es eben nicht lesen, weil es "Sinnloses aufsagt", wo andere lesen.
Wenn es aber Ba-na-ne liest, so klingt das einer "Banane" schon sehr ähnlich. Dann ist der Schritt von den Silben vom Wort lange nicht so schwer wie der von den Buchstaben zum Wort.
Für die Kollegen und Kolleginnen, die sich neu für eine Methode entscheiden, ist natürlich der Orginal Kieler Leseaufbau gut geeignet. Aber mittlerweile gibt es auch Fibeln, die die Silbenmethode verwenden.
Was ich (leider) nicht mehr ausprobieren konnte, was mir aber sinnvoll erscheint: In diesen neuen Fibeln wird mit zwei Farben gearbeitet (die Farben der Silben wechseln ab) und vor allem werden die Kinder dazu angehalten, beim Schreiben auch diesen Farbwechsel zu nützen. |
| . | | von: palim
erstellt: 30.07.2007 16:27:55 |
Auch ich arbeite ergänzend so. Grundlage war eigentlich die Tobi-Fibel, aber ich hatte andere Leseblätter (siehe Palims Tobimaterial 1 und 2 - eigentlich müsste es noch mal Teil 3 geben).
Zum Rechtschreibunterricht gibt es unter dem Stichwort FRESCH Material und Methoden, die auch auf die Silben aufbauen.
Im Tinto-Material (AH) gibt es Bilderbögen, auf denen schon ab der 1. Klasse Silbenbögen unter Bilder gezeichnet werden sollen. Solche Bilderbögen sind mit den Bildern aus 4t ja auch leicht selbst herzustellen. Schüler, die schon schreiben können, können die Wörter verschriften. Wenn die Schüler darauf trainiert sind, Silbe für Silbe aufzuschreiben, können sie auch lernen, dass jede Silbe einen König (Vokal, Umlaut...) hat. Die Könige kann man auf kleine Kronen schreiben und in die Klasse hängen.
Eine Kollegin arbeitet jetzt konsequent mit den Silben und lässt ihre Schüler auch die Silben in verschiedenen Farben schreiben. Es ist allerdings fraglich, ob das ständige wechseln der Stiftfarbe nicht stört???
Ach heidehansi, bei deinen vielen Foren und tollen Anregungen in den letzten Wochen bekomme ich ja richtig Lust aufs neue Schuljahr.
Palim |
| @ Palim | | von: heidehansi
erstellt: 03.08.2007 10:28:50 |
Erstens denke ich, dass auch Kinder, die das richtige Schreiben verinnerlicht haben, eine Zeit haben, wo das noch nicht der Fall ist, nämlich am Schulanfang. Es sei denn, es sind Kinder, die auf Nummer sicher gehn und erst schreiben, wenn sie sich fit fühlen.
Ich würde die zwei Farben von allen fordern. Einfach, weil es sonst Kinder gibt, die auch "so gescheit" sein wollen und meinen, sie könnten es ohne.
Und für die, die es eigentlich nicht brauchen, ist es ja trotzdem kein Nachteil. Oder?
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| Also wie jetzt? | | von: sonne311
erstellt: 30.09.2007 13:59:30 |
Dieser Beitrag ist, glaube ich, genau das, was ich grad gebrauchen kann!
Könnt ihr mir mal einen Tipp geben, wie ich ganz konkret beim Lesenlernen in einer ersten Klasse (5. Schulwoche) vorgehen kann?
Bisher war es so, dass ein Junge in meiner Klasse schon richtig gut lesen kann, der durfte bislang natürlich öfter schon mal was vorlesen. Alle anderen Kinder sind da noch ganz unbedarft. Aber nun hat unsere Fibel (Bausteine) plötzlich ein Arbeitsblatt gehabt, auf dem Wörter aus Bildern (z.B. E-sel, L-ampe, E-sel = ELE) geschrieben und dann dazu das entsprechende Bild gemalt ewrden sollte. Ganz ohne "Vorankündigung" oder gar einen Hinweis zur Vorgehensweise im Lehrerhandbuch sollten die Kinder also Wörter erlesen. Das hat mich richtig schockiert, denn ich wusste auch gar nicht so recht, wie ich vorgehen soll. Ich habs dann so gemacht, dass ich den Kindern erstmal Raum zum Ausprobieren gegeben habe, aber viele meinten gleich "Das kann ich nicht lesen!" bzw. "Ich kann doch noch nicht lesen!", was mir richtig leid getan hat. Ich bin dann zu den einzelnen Kindern hingegangen, wir haben gemeinsam die Buchstaben lautiert und dann habe ich beim "Zusammenziehen" etwas geholfen. Dann ging es halbwegs - aber schön war das nicht!
Um weitere solcher Erlebnisse zu vermeiden, würde ich jetzt gerne regelmäßige Leseübungen machen. Ist da so ein "Silbenlesen" sinnvoll? Kann ich zum Beispiel morgen ein Arbeitsblatt mitnehmen, auf dem Silben mit den bisher durchgenommenen Buchstaben stehen? Oder ist etwas zum Wortaufbau sinnvoll? Zum Beispiel E - EL - ELE oder L - LE - LEA?
Über Tipps zum ganz konkreten Vorgehen wäre ich sehr dankbar! |
Beitrag (nur Mitglieder) |
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