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Forum: "Nur ein Gefühl? Dummes Lernen conta BE-Greifen?"
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| Nur ein Gefühl? Dummes Lernen conta BE-Greifen? | | von: poni
erstellt: 22.03.2007 09:18:18 geändert: 22.03.2007 09:28:34 |
Liebe Kollegen, sagt mir, ob ich da was völlig falasch sehe oder nicht:
Ich habe das Gefühl, dass es im Gym immer mehr darum geht, Dinge einfach auswendig zu lernen und sie zur nächsten Arbeit parat zu haben, aber nicht darum, die Zusammenhänge wirklich zu Be-Greifen. Gerade in den Naturwissenschaften ist das sowas von fatal.
Wie ich jetzt gerade mal wieder drauf komme? Ich habe in der 7. Klasse mündliche Prüfungen (ganz moderat und ohne Angst!) abgehalten. Die Schüler durften sich zu dritt beraten und dann erst antworten. Die Antworten kamen zögerlich, in Schlagworten und fragend. Ich war frustriert, wie wenig in den meisten Köpfen konkrete Vorstellungen vorhanden waren. Bestimmt liegt das auch mit an meinem Unterricht, da ich längst nicht so viel Praktisches einbeziehe, wie ich eigentlich möchte. Mein Fehler. Aber Arbeitsblätter, Materialien, und mein Unterrichtsstil sind auch nicht absolut uninteressant, behaupte ich jetzt mal.
Es wird in der 8. Klasse nach einer Prüfung verhandelt, dass sie ja Dinge so gemeint hätten, wie sie richtig sind. In NW muss man halt leider exakt die Fakten benennen, Labern hilft nix.
Ich bin mit meinem Latein am Ende, was kann ich tun? Soll ich sie einfach pauken lassen, sie abfragen und schlechte Noten verteilen? Ich bring das nicht übers Herz, sie sollen doch was von dem haben, was sie lernen........ |
| Ich kenne das Problem auch | | von: onkel_titus
erstellt: 22.03.2007 19:53:49 |
vor allem aus Bio und Chemie Oberstufenkursen.
Da kommt dann oft der Einwand: So wie sie das erklärt haben, kann man das ja gar nicht auswendig lernen.
Meine Antwort lautet dann:
Stell dir vor,ich würde dich hier zum Tresorknacker ausbilden. Es ist unmöglich, dir alle Tresore und ihre Schwachstellen vorzustellen. Alles, was ich tun kann, ist, dir die nötigen Werkzeuge zu zeugen und mit dir den Gebrauch einzuüben, und ich kann dich auf generelle Schwachstellen von Tresoren hinweisen.
Deine Aufgabe ist es dann, an einem Tresor nach Schwachstellen zu suchen und die bekannten Werkzuege anzuwenden.
Das ist viel effektiver, als 3000 Tresortypen auswendig zu kennen.
Das hat schon viele Diskussionen ausgelöst und schon einige zum Umdenken bewegt. (Wobei ich 10% Umdenker schon eine Traumquote finde.)
Ich denke aber, dieses Umdenken anzustoßen, ist eine Risenaufgabe für Lehrer, weil leider immer noch viele Kollegen (ich kann jetzt nur mal für Naturwissenschaftler sprechen) das Begreifen verhindern und das auswendiglernen fördern.
Lass den Kopf nicht hängen! |
| Danke titus | | von: poni
erstellt: 04.04.2007 08:45:21 |
für den guten Vergleich. werd ich mir merken
Habe gestern in dieser Hinsicht endlich etwas mit aller Deutlichkeit kapiert, eine Schülerin aus der 12. Klasse hat mich "aufgeklärt". ich solle ja nicht denken, die Schüler würden etwas verstehen WOLLEN. Sie lernen eben auswendig, WEIL sie es nicht verstehen, und das wars. Mir fiel die Kinnlade runter. Ich kann es einerseits so gut verstehen, andererseits empfinde ich doch damit meine ganzen Bemühungen, den Schüler etwas BEGREIFLICH mache zu können, als vergeblich. Das tut weh.
Das gilt aber nicht für alle Schüler, diejenigen, die so denken und begreifen wollen wie ich, die erreiche ich schon, die anderen überfordere ich, obwohl sie selber das Gefühl haben, ich würde zu wenig "machen" mit ihnen.
Dann wundert mich überhaupt nicht, dass es permanent die Konflikte gibt, wenn die andere Seite es so sieht, dass die Kinder zu wenig Zeug zum "Lernen", also auswendig lernen bekommen.
Muss ich jetzt meinen Unterricht so gestalten, dass ich den intelligenten Denk- und den "normalen" auswendiglern-Futter gebe?
Für eine solche innere Differnzierung kann ich mich erwärmen als Kompromiss, weiß nur noch nicht, wie ich das umsetze.
Bin ich überheblich, wenn ich über das "dümmere" Lernen nicht besonders glücklich bin? |
| Auch ich ... | | von: liko
erstellt: 04.04.2007 11:00:13 |
... kann aus den Erfahrungen mit meinen eigenen Kindern bestätigen, dass viele Gym-Lehrer tatsächlich auf Antworten Wert legten, die man am besten auswendig lernte, da die ein wenig schrägen/umständlichen (doch richtigen und verstandenen) Antworten oft kaum oder nicht bepunktet wurden. Sorry, aber manchmal hatte ich das Gefühl, dass manche Lehrer es selbst nicht wirklich verstanden hatten und sich daher lieber an einem bestimmten Text "festhielten". Ganz schlimm fand ich diese "Methode" im LK Deutsch im Bereich Literatur/Interpretation. Ihr ursprüngliches Interesse an diesem schönen Fach wurde ihr dadurch gründlich vermiest.
Eine logische Konsequenz dieser Anforderungen war, dass - zumindest meine Kleine - bis zur 12. zwar recht ordentlich auswendig lernen konnte, aber die Menge des Stoffs mit dieser Methode bis zum Abi kaum mehr zu bewältigen war, was sie häufig fast verzweifeln ließ. Sie hat es glücklicherweise geschafft, aber ich darf gar nicht mehr dran denken, wie viel einfacher sie es hätte haben können, wenn ...
Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Manche Dinge MUSS man einfach auswendig lernen, aber in vielen Bereichen sollte ein wenig Flexibilität schon drin sein, um Menschen an selbstständiges Denken heran zu führen. |
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