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Forum: "Ref. abbrechen und 2. Ausbildung starten?"
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| Ref. abbrechen und 2. Ausbildung starten? | | von: alexdr
erstellt: 22.02.2010 12:08:57 |
Hallo,
ich brauche euren Rat.
Ich bin jetzt seid 10 Monaten im Referendariat (Niedersachsen) und quäle mich jeden Tag damit.
Anfangs habe ich noch gedacht, das ergeht allen so. Doch ich habe keinerlei Alternativen und muss irgendwie meine Miete bezahlen, also mach ich erstmal weiter. Doch der Stress steigt mehr und mehr. Ich heule fast täglich, weil die Schule absolut nicht mein Ding ist.
Was mich alles stört und die Gründe, weshalb ich das Ref. abbrechen möchte sind folgende:
Ich habe manchmal Angst vor der Klasse zu stehen. Um dem entgegenzuwirken bereite ich mich gründlich vor, was aber immer schief geht. Ich schaffe nicht den Stoff, den ich mir vornehme. Und wenn ich weniger Stoff nehme, hinke ich der Parallelklasse zu weit hinterher und es tauchen neue Probleme mit den Kindern auf. Ich kann 26 Kindern nicht gleichzeitig etwas erklären. Dauernd kommen Zwischenfragen, sodass ich nicht zu Ende erzählen kann. Ständig ist es laut. Ich kann mich nicht durchsetzen. Die Eltern haben sich auch schon beschwert, ich könne nicht erklären und es sei keine Struktur im Unterricht zu erkennen. Die Seminarleiter kritisieren hauptsächlich meine Lehrerpersönlichkeit. Ich sei nicht präsent genug.
Ich habe einfach keinen Spaß an diesem Beruf: das Vorbereiten, das Unterrichten, das Nachbereiten, das Warten im Lehrerzimmer auf die nächste Stunde...)
Ich habe mal Nachhilfe gegeben, da hatte ich nur ein Kind, max. fünf Kinder gleichzeitig (Institut für Nachhilfe), denen ich helfen konnte. Da ging das sehr gut. Da hatte ich das Gefühl, etwas erreicht zu haben.
Aber in der Schule...weit gefehlt.
Neulich hatte ich mein 2. Ausbildungsgespräch und meine Vornote im Ref. bewegt sich zwischen 4 und 5.
Nun bin ich am überlegen, das Ref. abzubrechen. Den Gedanken habe ich seit Oktober und ich bin nun soweit, dass ich sagen kann, sobald ich was anderes habe, würde ich auf der Stelle abbrechen, denn so wie es im Moment läuft, werde ich noch krank und so kann es nicht mehr weitergehen.
Ich war am Überlegen ob ein Job (dazu fehlt mir in vielen Bereichen leider die Erfahrung...oder ich bin nicht qualifiziert genug) oder eine 2. Ausbildung das Richtige wären.
Bewerbungen habe ich schon geschrieben. Sowohl für Jobangebote, als auch für Ausbildungen. Es kamen aber bisher leider nur Absagen. Bei zwei Vorstellungsgesprächen für eine Ausbildung war ich allerdings schon, aber als die Frage kam, ich sei ja schon älter als die anderen Bewerber (25 Jahre) und hätte studiert, würde ich mich in der Ausbildung nicht unterfordert fühlen...und wie sehe das mit der Ausbildungsvergütung aus. Die ist ja nur sehr gering. Wie sollte ich die Miete bezahlen? Da habe ich etwas gezögert, doch versichert, ich würde das schon irgendwie schaffen...Doch auch danach kamen leider Absagen.
Wie seht ihr das? Ist es sinnvoll sich weiterhin um einen Ausbildungsplatz zu bemühen, auch wenn man fast 10 Jahre älter als andere Bewerber ist? Hat man da noch Chancen?
Hättet ihr vielleicht einen Tipp wie das mit einer geringen Ausbildungsvergütung zu schaffen wäre?
Vom Arbeitsamt würde ich keine Unterstützung bekommen, da ich keine abgeschlossene Ausbildung habe (denn ich würde ja abbrechen) und nicht ein Jahr arbeitslos war...
Für jeden Rat bin ich dankbar.
Gruß, Alex |
| . | | von: brittacci
erstellt: 22.02.2010 13:50:45 |
Hallo Alex,
ich kann nachvollziehen wie du dich fühlst. Und dass Schule krankmachen kann, habe ich im letzten halben Jahr am eigenen Leib gespürt.
Der Nachteil am Lehramtsstudium ist, dass du damit nachher nicht sonderlich viel anfangen kannst.
Vielleicht wäre auch ein Schulformwechsel etwas für dich?
Du könntest überlegen, ob du nicht noch ein Aufbaustudium hinterherschiebst und dann in die freie Wirtschaft gehst.
Thema Ausbildung: Sollte eigentlich kein Problem sein. Ich habe mir seinerzeit kurz vom 1. Staatsexamen überlegt, dass ich NIE wieder vor einer Klasse möchte (die Erfahrungen im Praktikum reichten mir) - habe das 1. Staatsexamen aber brav gemacht. Ich habe dann erst in einem Unternehmen ein Praktikum gemacht, dass immer verlängert wurde und schließlich in einem Jobangebot endete. Ich habe dort eine kaufm. Ausbildung gemacht, aber VOLL gearbeitet, da die Berufsschulpflicht in NRW mit 21 Jahren (?) endet und ich somit den Besuch der Schule sparen konnte. Da die Ausbildung aber auch noch auf 1,5 verkürzt wurde, waren die 1,5 Jahre natürlich kein Zuckerschlecken, da ich mir alles selbst beibringen musste. Aber Lehrjahre sind keine Herrenjahre
Nach ein paar Jahren im Bürojob habe ich dann doch noch mein Referendariat gemacht.
Ich würde weiterhin Bewerbungen schreiben (vielleicht auch mal an Schulbuchverlage?). wie sieht die Unterstützung im Kollegium aus?
ich wünsche dir viel Kraft - deinen Weg wirst du gehen! |
| Schwierig | | von: caldeirao
erstellt: 22.02.2010 18:33:04 |
Erst mal finde ich es schade, dass Du keine Freude im Lehrerberuf findest, aber ich finde es unheimlich mutig und stark, dazu zu stehen.
Meine erste Frage wäre, wie lange geht denn das Referendariant noch? Meine Frage zielt in die Richtung, wenigstens einen Abschluss zu haben. Du musst ja dann nicht als Lehrer arbeiten. Man hat zwar nicht allzuviele Alternativen mit dieser Ausbildung, aber ein paar gibt es doch. Aber vielleicht geht mal was in der Kita oder als Lehrmeister oder an der Abendschule oder an der Uni. Interessant wären ja auch Deine Fächer. Da könnte man vielleicht auch was finden.
Zum Geld. Irgendjemand muss zuständig sein- vielleicht das Sozialamt. In Deutschland hat jeder Anspruch auf eine Wohnung. Vielleicht ist dann Deine zu groß, aber das kann man später sehen.
Auf jeden Fall ist es wichtig, dass Du auf Dauer etwas tust, dass Dich befriedigt. Der prozentuale Anteil der Arbeit am Leben ist hoch und die Arbeit hat viel mit Zufriedenheit und der Erfüllung von Lebensglück zu tun. Oft helfen Listen mit Für und Wider, um eine Entscheidung zu treffen.
Ich wünsche Dir viel Glück und Erfolg, die richtige Entscheidung zu treffen. |
| Arbeitsamt | | von: bger
erstellt: 22.02.2010 18:36:09 |
Vom Arbeitsamt würde ich keine Unterstützung bekommen, da ich keine abgeschlossene Ausbildung habe (denn ich würde ja abbrechen) und nicht ein Jahr arbeitslos war... Du bekommst zwar kein Arbeitslosengeld, aber trotzdem könntest du dich wegen einer Ausbildungsstelle an die Arbeitsagentur wenden. Es gibt dort spezielle Ansprechpartner (an größeren Agenturen auch Abteilungen) für Akademiker. Übrigens gibt es das öfter, dass Leute nach einem Studium noch eine Ausbildung machen wollen; du bist sicher nicht die Einzige, die mit 25 noch umsatteln möchte.
Wenn du das Gefühl hast, für den Job ungeeignet zu sein und dir das auch noch vom Seminar bestätigt wird (Vornoten!) tust du dir und den Kindern keinen Gefallen, wenn du weiter machst. Du wirst höchstens krank! Ein Schulformwechsel nützt da auch nichts.
Welches sind denn deine Fächer? Lässt sich damit vielleicht etwas anderes machen? |
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